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Blau­licht­fahr­ten: Ers­te deut­sche Feu­er­wehr schult Ein­satz­kräf­te mit ei­ge­nem Fahr­si­mu­la­tor

Blau­licht­fahr­ten: Ers­te deut­sche Feu­er­wehr
schult Ein­satz­kräf­te mit ei­ge­nem Fahr­si­mu­la­tor

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(Ber­lin, 23. No­vem­ber 2016) Um ih­re Ret­tungs­kräf­te op­ti­mal auf Ein­satz­fahr­ten mit Blau­licht vor­zu­be­rei­ten, nutzt die Ber­li­ner Wehr als ers­te deut­sche Feu­er­wehr ei­nen ei­ge­nen Fahr­si­mu­la­tor. Der von von Si­FaT Road Safe­ty in Ber­lin ent­wi­ckel­te und her­ge­stell­te High-Tech-Simulator wird fest in den Aus- und Fort­bil­dungs­plan in­te­griert. Jähr­lich sol­len et­wa 2.500 Feu­er­wehr­leu­te min­des­tens ein­mal Ein­satz­fahr­ten mit Blau­licht und Mar­tins­horn im Si­mu­la­tor trai­nie­ren.

„Die Ver­ant­wort­li­chen bei der Ber­li­ner Feu­er­wehr ha­ben er­kannt, dass in un­se­rem Si­mu­la­tor vie­le Din­ge trai­niert wer­den kön­nen, die man in der Pra­xis gar nicht üben kann, darf oder will, und dass die Aus­bil­dung sehr viel ef­fi­zi­en­ter und nach­hal­ti­ger wird“, sagt Klaus Hal­ler, Ge­schäfts­füh­rer von Si­FaT Road Safe­ty. So ver­bie­tet die Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung (§38 StVO) das pro­be­wei­se Fah­ren mit Blau­licht und Mar­tins­horn. „Im Si­mu­la­tor kann er­lebt wer­den, wie un­ter­schied­lich sich Ver­kehrs­teil­neh­mer beim Ein­satz des Mar­tins­horns ver­hal­ten: Manch­mal bil­den sie ei­ne Gas­se für das Ret­tungs­fahr­zeug und manch­mal auch nicht “, er­läu­tert Hal­ler. „Die Re­ak­ti­on dar­auf kann man ge­zielt trai­nie­ren. So gibt die Si­mu­la­tor­schu­lung dem Fah­rer Er­fah­rung im Um­gang mit sol­chen un­vor­her­seh­ba­ren Re­ak­tio­nen und er wird sou­ve­rä­ner und si­che­rer.“

Be­vor Feu­er­wehr­leu­te in Ber­lin ein Fahr­zeug im Ein­satz steu­ern dür­fen, müs­sen sie ein ge­nau vor­ge­ge­be­nes Schu­lungs­pro­gramm ab­sol­vie­ren. Teil eins ist ei­ne Ta­ges­ver­an­stal­tung, bei der al­le Din­ge, die bei ei­ner Blau­licht­fahrt zu be­ach­ten sind, theo­re­tisch be­han­delt wer­den. Au­ßer­dem macht je­der Fah­rer an die­sem Tag zwei Trai­nings­fahr­ten auf dem Si­mu­la­tor. „Der Theo­rie­teil wird auf die­se Wei­se sehr viel an­schau­li­cher und die Ret­ter kön­nen das Ge­lern­te gleich um­set­zen“, so Hal­ler. „Mit dem Si­mu­la­tor ist es mög­lich, an ei­nem Tag prak­ti­sche Übun­gen für 12 bis 16 Feu­er­wehr­leu­te zu or­ga­ni­sie­ren.“ Teil zwei des Schu­lungs­pro­gramms ist ein Trai­ning im Ret­tungs­fahr­zeug auf ei­nem Ver­kehrs­übungs­platz. Teil drei ist ei­ne nach­ge­wie­se­ne Fahr­leis­tung von 300 Ki­lo­me­tern auf dem je­wei­li­gen Fahr­zeug­typ (Ret­tungs­wa­gen, Lösch­fahr­zeug oder Dreh­lei­ter). Da­bei han­delt es sich nicht um Ret­tungs­fahr­ten. Wenn al­le drei Vor­aus­set­zun­gen er­füllt sind, dür­fen die Fah­rer die Wa­gen auch bei Ein­sät­zen mit Blau­licht und Mar­tins­horn steu­ern. Da­nach sol­len sie min­des­tens ein­mal im Jahr an ei­ner Fort­bil­dung teil­neh­men, bei de­nen auf dem Fahr­si­mu­la­tor ge­zielt be­stimm­te Ein­satz­si­tua­tio­nen ge­übt wer­den.

Feuerwehreinsatz-Simulator-2

Da­mit die Ber­li­ner Feu­er­wehr ih­ren Schu­lungs­be­darf ab­de­cken kann, hat Si­FaT nicht nur die Pro­gram­me und Aus­stat­tung des Si­mu­la­tors auf die Be­dürf­nis­se der Ret­tungs­kräf­te ab­ge­stimmt, son­dern auch Fahr­leh­rer für den Ein­satz des Si­mu­la­tors ge­schult. Für die­se Blau­licht­fahr­ten hat Si­FaT in das Cock­pit des Mercedes-Sprinters, in dem die Fah­rer die Ein­sät­ze üben, ei­gens im Fuß­raum ei­nen Schal­ter für das Mar­tins­horn ein­ge­baut. „Das ist ge­nau so, wie die Ber­li­ner Fah­rer es in ih­ren Ein­satz­fahr­zeu­gen auch ha­ben. Die Be­die­nung geht durch das ge­ziel­te Trai­ning sehr schnell in Fleisch und Blut über.“

Hin­ter­grund­in­for­ma­ti­on: War­um sind Alarm­fahr­ten so stres­sig und ge­fähr­lich?

Alarm­fahr­ten mit Mar­tins­horn und Blau­licht sind vor al­lem in Bal­lungs­ge­bie­ten ei­ne gro­ße Her­aus­for­de­rung. Das be­son­de­re Ri­si­ko ist nicht die Be­herr­schung gro­ßer Spe­zi­al­fahr­zeu­ge bei un­ter­schied­lichs­ten Verkehrs- und Wit­te­rungs­be­din­gun­gen, son­dern die an­de­ren Ver­kehrs­teil­neh­mer: Au­to­fah­rer brem­sen plötz­lich, man­che ma­chen den Weg für das Blau­licht­fahr­zeug nicht frei und ver­hal­ten sich völ­lig un­vor­her­seh­bar. Da­bei gibt es bun­des­weit jähr­lich im Ret­tungs­dienst mehr als zehn Mil­lio­nen Ein­satz­fahr­ten. Al­lein die Ber­li­ner Feu­er­wehr hat täg­lich bis zu 1.500 Ein­sät­ze.

Es gibt kein Pra­xis­trai­ning für Alarm­fahr­ten. Pro­be­wei­se Blau­licht­fahr­ten sind ver­bo­ten. Denn nach §38 Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung sind Fahr­ten mit Blink­licht und Ein­satz­horn aus­schließ­lich ge­nau de­fi­nier­ten Ein­satz­fahr­ten vor­be­hal­ten. Des­halb stellt der Ernst­fall das Trai­ning für den Ma­schi­nis­ten dar.

Die Fol­gen: Das Ri­si­ko, bei Fahr­ten mit ein­ge­schal­te­tem Blau­licht und Mar­tins­horn in ei­nen schwe­ren Un­fall ver­wi­ckelt zu wer­den, ist et­wa 17- Mal hö­her als bei ge­wöhn­li­chen Fahr­ten (Quel­le ADAC Schleswig-Holstein e.V.). Sach­schä­den in Mil­lio­nen­hö­he sind da­her die Fol­ge von Un­fäl­len bei Ein­satz­fahr­ten mit Son­der­si­gnal. Nach An­ga­ben der Ber­li­ner Feu­er­wehr wa­ren in 65 Pro­zent die­ser Un­fäl­le die Ein­satz­fah­rer die Un­fall­ver­ur­sa­cher oder sie tru­gen ei­ne Mit­schuld. Das Ri­si­ko ei­nes töd­li­chen Un­falls sei vier­mal hö­her als im nor­ma­len Stra­ßen­ver­kehr, das Ri­si­ko ei­nes Un­falls mit Schwer­ver­letz­ten acht­mal hö­her.